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10.03.2017

Computer Reseller News vom 08.03.2017


Nachruf: Der kühne Traum von versöhnender Technologie

Die deutsche IT-Branche verliert einen Unternehmer, für den Technologie weit mehr war als ein Mittel zum Zweck. Bytec-Gründer Matthias Bodry hatte eine ungewöhnliche Vision. Was von einem gestaltenden Ingenieursgeist bleibt.

Er habe alles gut vorbereitet und könne sich auf bestens bewährte Führungskräfte verlassen. Seine Firma sei auch ohne ihn für die Zukunft sehr gut aufgestellt, sagte Matthias Bodry Anfang 2015 in einem längeren Gespräch mit CRN. Es war das Jubiläumsjahr der Bytec aus Friedrichshafen, »seines Unternehmens«, das Bodry in 25 Jahren zum größten europäischen Distributor des globalen Herstellers Fujitsu machte. Was damals freilich kaum jemand außer dem an Krebs erkrankten Bodry wusste: Viel Zeit würde ihm nicht gegeben werden, Bytec in andere Hände zu legen.

Dennoch spürte man die tiefe Befriedigung eines Unternehmers, der stolz war auf das, was er geleistet hatte: Arbeitsplätze schaffen, beste Technologielösungen entwickeln, die Zukunft der Firma und Familie sichern. Im Getränkehandel des Großvaters lerne er früh, dass sich harte Arbeit auszahlt. Bodry wusste aber auch, wie flüchtig ökonomischer Erfolg sein kann, wenn man sich auf Leistungen ausruht, die andere geschaffen hatten.

War es Demut angesichts der Brüchigkeit des Lebens, angesichts unerfüllter Lebensentwürfe im Privaten wie im Beruflichen, die einen Menschen nicht auf die Bühnen des Business‘ treibt - stets siegerpostenhaft lachend? Das mediale Scheinwerferlicht suchte er zeitlebens nicht. Man fühlte die Anspannung in seinen Händen, wenn er wieder einmal eine Auszeichnung vor großem Publikum entgegen nehmen musste.

Und doch überwand er stets solche kleinen Barrieren. So wie er auch große Hürden professionell meisterte. Loslassen lernen von »seiner Bytec« war eine seiner letzten, wohl schwierigen Aufgabe. Er hat auch diese rechtzeitig gelöst.

Wie die Luft zum Atmen

Nicht, dass er andere für unfähig hielt, ihm das Wasser zu reichen – was er gelegentlich auch durchblicken lassen konnte. Bodry hatte jene packende Leidenschaft für Technologien, die man nur als Unternehmer im eigenen Unternehmen erfüllend leben konnte. Die Freiheitsgrade, die er wie die Luft zum Atmen brauchte, wären ihm in den Strukturen und Hierarchien eines Konzern oder einer Universität nicht gegeben worden. Für eine Karriere als CTO oder Hochschulrektor fehlte es Bodry an diplomatisch-taktischer Geschmeidigkeit, dessen war es sich bewusst. Sich verbiegen zu lassen gegen die eigene Überzeugung war seine Sache nicht.

Der eigene Weg freilich konnte für andere anstrengend sein. Bodry hat es seinen Geschäftspartnern nicht immer leicht gemacht. Er konnte sehr resolut und bei Verhandlungen knallhart sein. Bisweilen auch nachtragend. Andererseits zeichnete es den vorausschauenden Unternehmer aus, Emotionen letztlich dann doch hinter faktischen Ergebnissen anstehen zu lassen.

Wohl kaum ein anderer Distributions-Chefs hat im Hintergrundgespräch so offen Defizite und Mängel im komplexen Zusammenspiel dieses an Konflikten nicht armen IT-Channels benannt. Den diplomatischen Dienst beherrschen bestens geschulte Manager. Bodry sprach indes immer erfrischend Klartext. So kritisierte er das »IT-Grundgesetz« einer Branche, die immer mehr Ressourcen benötigende Systeme hervorbringt, um den Investitionsdruck hoch und das Geschäft florierend zu halten. »Das technologisch Beste bleibt da immer auf der Strecke«, bedauerte der Chef eines Distributors, der sein Geld doch mit diesem Schneller, Weiter, Höher verdiente. Ein Widerspruch? Sicher. Doch das machte eben den Reiz aus, sich mit Technologie-Pionieren auszutauschen, die den Blick öffnen - auch und gerade auf Widersprüchliches.

Linux: Das erste echte Kulturgut

Geld ist der Nerv aller Dinge. Auch das ist so ein ewiges Grundgesetz, seit es die Menschheit und mit ihr den Handel gibt. Am rein Materiellen orientierte sich Unternehmer Bodry indes nicht. Geld sei ihm nicht wichtig, es habe doch an sich keinen eigentlichen Wert. Geld war für ihn ein Mittel zum Zweck, seine Ideen, seine Träume zu verwirklichen: Gestalten statt verwalten, das war sein Lebensmotto.

Natürlich konnte der Unternehmer auch ganz Utilitarist sein, der seine Vorteile suchte. Er ließ es andererseits aber nicht an Größe und Weite vermissen, die man bei rein zweckorientierten Unternehmern nicht finden wird.

Bodry zeichnete das Bild einer durch Technologie versöhnten Menschheit: Moslems, Juden, Schwarz oder Weiß arbeiten weltweit gemeinsam an quelloffener Software, frei von partikularen, ökonomischen Interessen. Linux sei das erste echte Kulturgut dieser Welt, sagte er - lange bevor das Silicon Valley die Share-Economy entdeckte und aus dem jeden und alles vernetzenden Internet ein schnelles Milliarden-Geschäft machte.

Gegensätzlicher könnte die Vision eines mittelständischen Unternehmers vom Bodensee nicht sein, Technologie als evolutionäres, gar völkerverbindendes System zu begreifen, das frei vom Streben nach Gewinnmaximierung funktioniert. Bodrys gestaltender Ingenieursgeist kann diese wahrlich kühne Idee nicht mehr begleiten.

»Herausragender Denker und Visionär«

Der frühe Tod von Matthias Bodry hat im Channel tiefe Betroffenheit ausgelöst. Geschäftspartnern bleibt der Bytec-Gründer in guter Erinnerung, auch wenn die Lücke in der Industrie und im Handel mit dem Tod des geschätzten IT- und Distributionsprofis noch lange spürbar bleiben wird.

»Mit großem Bedauern habe ich vom Tod von Matthias Bodry erfahren. Er war für uns nicht nur ein langjähriger, verlässlicher Geschäftspartner, sondern galt im Hause Fujitsu immer als einer der innovativsten Vorausdenker. Er wird mir, Fujitsu und dem deutschen Channel als ein herausragender Denker und Visionär fehlen!«
Louis Dreher, Senior Director Channel Sales Deutschland, Fujitsu

Offenheit und Leidenschaft

»Wir sind schockiert und betroffen, unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Verwandten, Freunden und Mitarbeitern. Mit Matthias Bodry verlieren wir einen hochgeschätzten Partner. Seine Offenheit und Leidenschaft machten ihn zu einer Persönlichkeit, die in der deutschen Distributions- und Channellandschaft herausragte.«
Bernhard Fauser, Director SMB/Channel Germany/Austria, Lenovo

Fairer Geschäfts- und Gesprächspartner

»Ich bin bestürzt! Wir arbeiten seit 15 Jahren mit der Bytec eng zusammen und ich halte Matthias Bodry als einen sehr besonnenen und fairen Geschäfts- und Gesprächspartner in guter Erinnerung!«
Karsten Agten, Geschäftsführer IT-On.NET

Geschätzter Nachbar und Distributor

»Als direkter Nachbar und langjährig bekannter und geschätzter Distributor verlieren wir hier in der Region einen erfolgreichen IT Unternehmer. Der Familie und den Mitarbeiter von Bytec wünsche ich – auch im Namen der gesamten Belegschaft – viel Kraft und Zeit für dankbare Erinnerungen.«
Michael Teniz, Geschäftsleitung Bechtle IT-Systemhaus Friedrichshafen

Bleibende Erinnerungen

»Ich habe Matthias Bodry sehr geschätzt, auch wenn er ein schwieriger Verhandlungspartner war. Den Ausflug mit seinem Boot auf dem Bodensee werde ich nie vergessen – Wasserskifahren ohne Vorkenntnisse und Neoprenanzug: Das war toll und es hat mit seiner Hilfe hervorragend geklappt.«
Sandra Hanel, ehemalige Anzeigenleiterin CRN